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Sortimentswechsel 2027
Sichere Umstellung im Tiefbau

Fahrplan zur Sortimentsumstellung

Wie Wasserversorger, Wassermeister und Technikverantwortliche den Auslauf bestehender Sortimente bis Februar 2027 nutzen, um konsequent auf bleifreie Standards, schlanke Lagerstrukturen und robuste Netzprozesse umzustellen.

Ein anstehender Sortimentswechsel in der Verbindungstechnik betrifft nicht nur einzelne Bauteile, sondern wirkt direkt auf Versorgungssicherheit, Wasserqualität und die Einhaltung regulatorischer Vorgaben – insbesondere im Hinblick auf Werkstoffe und Trinkwasserhygiene. Bestehende, heute am Markt verfügbare Sortimente werden bis Februar 2027 auslaufen und danach nicht mehr lieferbar sein, sodass Handlungsbedarf besteht, um Lieferlücken, Stillstand auf der Baustelle und Schnittstellenprobleme zu vermeiden. 

Für Verantwortliche in der Versorgung bedeutet das: Die Zeit bis 2027 muss genutzt werden, um sowohl technische Standards als auch Prozesse, Lagerbestände und Schulungen konsequent auf zukunftsfähige Verbindungstechnik umzustellen. Ein strukturierter Ansatz mit klaren Meilensteinen reduziert Risiken und schafft Transparenz für Netzbetrieb, Bauhöfe und ausführende Unternehmen. 

Tipp 1: Ausgangslage systematisch analysieren

Bevor Sie Produkte austauschen, benötigen Sie ein klares Bild Ihrer aktuellen Situation im Tiefbau. 

  • Bestandsaufnahme machen: Welche Verbindungssysteme, Dimensionen und Werkstoffe (z. B. Messing, bleifrei, Kunststoff) sind heute in Ihrem Netz und Lager im Einsatz? 

  • Schnittstellen erfassen: Welche Kombinationen kommen vor (z. B. Rohrmaterial, Hausanschlüsse, Armaturen, Übergänge)? Wo bestehen Mischinstallationen? 

  • Einsatzbereiche priorisieren: Trinkwasser-Hausanschlüsse, Netzleitungen, Reparaturfälle, Notfall-Lager – definieren, wo der Sortimentswechsel den größten Einfluss hat. 

  • Normen und Regelwerke prüfen: Aktuelle Anforderungen aus TrinkwV, DVGW-Regelwerk und Werkstoffnormen heranziehen, um Pflicht- von Kür-Themen zu trennen. 

Ein Beispiel aus der Praxis: Viele Versorger stellen fest, dass in Reparaturlagern noch Mischsortimente mit unterschiedlichen Dichtkonzepten liegen – hier sind Inkompatibilitäten bei Notfalleinsätzen vorprogrammiert, wenn nicht rechtzeitig vereinheitlicht wird.

Tipp 2: Frühzeitig auf bleifreie Alternativen umstellen

Die Umstellung auf bleifreie Verbindungstechnik ist nicht nur eine regulatorische, sondern auch eine strategische Entscheidung für Wasserqualität und Akzeptanz beim Endkunden. 

  • Bleigehalte konsequent eliminieren: Bestehende Messingprodukte mit bleihaltigen Legierungen nach und nach durch bleifreie Alternativen ersetzen – beginnend in sensiblen Bereichen wie Hausanschlüssen. 

  • Technische Kompatibilität prüfen: Sicherstellen, dass bleifreie Verbinder mit Ihren vorhandenen Rohrsystemen (z. B. PE, PVC-U, Guss) kompatibel sind. 

  • Langfristige Verfügbarkeit berücksichtigen: Bei der Produktauswahl auf Anbieter setzen, die bleifreie Systeme nicht nur als Nischenlösung, sondern als vollwertiges Kernsortiment mit langfristiger Verfügbarkeit anbieten. 

  • Kommunikation vorbereiten: Interne und externe Stakeholder – von Monteuren über Bauhöfe bis hin zu Kommunalpolitik und Endkunden – über den gesundheitlichen und technischen Mehrwert bleifreier Systeme informieren. 

Damit vermeiden Sie eine Doppelumstellung (jetzt auf „noch erlaubt“, später auf bleifrei) und reduzieren langfristig Kosten für Schulung, Lagerhaltung und Dokumentation. 

Tipp 3: Sortimentsstrategie und Standardprodukte definieren

Ein klar definiertes, verschlanktes Standardsortiment erleichtert Beschaffung, Lagerhaltung und Montage im Tiefbau. 

  • Kernsortiment festlegen: Für alle relevanten Nennweiten und Rohrmaterialien je ein bevorzugtes System bzw. einen Standardverbinder definieren (z. B. BEULCO A3-Klemmverbinder ohne Stützrohr als Tiefbau-Standard, sofern technisch passend). 

  • Variantenvielfalt reduzieren: Seltene Sonderlösungen und doppelte Systemwelten bewusst abbauen, um Fehlteile, Falschmontagen und Schulungsaufwand zu senken. 

  • Zukunftssichere Technologien wählen: Systeme priorisieren, die neben Bleifreiheit auch aktuelle Trends wie einfache Montage, Fehlertoleranz und gute Dokumentierbarkeit unterstützen. 

  • Ersatz- und Übergangslösungen planen: Definieren, welche Altprodukte bis Februar 2027 noch verbraucht, wo sie konsequent ausgesperrt und durch neue Artikel ersetzt werden. 

In vielen Versorgungsunternehmen bewährt sich die Einrichtung einer „Positivliste“: Nur freigegebene, standardisierte Verbindungselemente dürfen im Tiefbau verwendet werden, was die Qualität im Netz deutlich erhöht.

Tipp 4: Lager, Logistik und Beschaffung ausrichten

Der Sortimentswechsel scheitert oft weniger an der Technik als an praktischen Themen wie Lagerbeständen, Bestellprozessen und Lieferfähigkeit. 

  • Restbestände aktiv managen: Altbestände gezielt und geplant aus Projekten herausfahren, statt sie unkontrolliert im Lager zu belassen. Dazu gehören klare Verbrauchs- und Sperrtermine. 

  • Mindestbestände neu definieren: Für die neuen, bleifreien Standardsysteme Sicherheitsbestände und Lieferzeiten mit Handel / Hersteller abstimmen, um Notfälle und Reparaturen abzusichern. 

  • Artikelnummern und Stammdaten anpassen: Neue Produkte in ERP/Materialwirtschaft sauber anlegen, mit klaren Bezeichnungen, Bildern und technischen Daten für Planung und Montage. 

  • Übergangsphase planen: Eine Zeit lang parallele Lagerhaltung der Alt- und Neusysteme kann notwendig sein – aber mit klarer Strategie, ab wann alte Artikel nicht mehr auszugeben sind. 

Ein pragmatischer Ansatz: Für kritische Dimensionen definieren viele Versorger einen „Stichtag auf Lager-Ebene“ – ab diesem Datum dürfen Kommissionierer nur noch das neue System für Baustellen picken.

Tipp 5: Schulung, Dokumentation und Qualitätssicherung verankern

Die beste Produktstrategie nützt wenig, wenn das Wissen in der Fläche fehlt oder nicht sauber dokumentiert wird. 

  • Mitarbeiterschulungen organisieren: Monteure, Bauhof, Meister und Planer in Theorie und Praxis der neuen Verbindungstechnik schulen (Montageschritte, Drehmomente, Prüfungen). 

  • Montage- und Prüfprozesse standardisieren: Einfache Arbeitsanweisungen und Checklisten etablieren (z. B. Sichtprüfung, Dichtheitsprüfung, Dokumentation), die auf die neuen Systeme zugeschnitten sind. 

  • Dokumentationspflichten beachten: Änderungen in Werkstoffen und Systemen in Netz- und Anlagendokumentation nachführen, um späteren Nachweis gegenüber Aufsichtsbehörden und Kunden zu erleichtern. 

  • Feedbackschleifen nutzen: Rückmeldungen von Kolonnen und Service-Teams systematisch sammeln, um frühzeitig Optimierungspotenzial bei Produkten oder Prozessen zu erkennen.

Viele Versorger kombinieren den Sortimentswechsel mit einer generellen Qualitätsoffensive: Stichprobenkontrollen auf der Baustelle, kurze Lessons-Learned-Runden nach größeren Maßnahmen und regelmäßige Updates der technischen Standards stärken die Umsetzung nachhaltig.

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